Tief in den Anden

Nachdem wir mit dem Boot zurück nach Copacabana gefahren sind, machen wir uns direkt auf den Weg, unsere großen Backpacks im Hostel abzuholen. Mit Sack und Pack laufen wir zum zentralen Platz und erwischen ein Colectivo, das innerhalb von 5 Minuten in Richtung La Paz abfährt. Auf halber Strecke steigen wir allerdings im kleinen und menschenleeren Patamanta aus. Wir stehen an der Hauptstraße und schreiben unserem Kontakt Roger, dass wir in Patamanta angekommen sind. Don Andres, zu dem wir wollen, hatte uns die Nummer von Roger geschickt und geschrieben, wir sollen ihm Bescheid sagen, wenn wir da seien. Keine fünf Minuten später kommt unser Fahrer auch schon angedüst. Von Patamanta aus fahren wir ca. 45 Minuten in die Berge. Unser Ziel ist Tuni, ein kleines Dorf, oder vielmehr eine Ansiedlung von vielleicht 6 Häusern. Wir hätten die Häuser leicht zählen können, haben es aber vergessen. Es gibt in dem kleinen Dorf ca. 250 Lamas und Alpacas und nicht mehr als 15 menschliche Einwohner. In Tuni hat Don Andres eine kleine Hospedaje mit Zimmern für 10 Gäste, er bietet außerdem geführte Wanderungen in die Cordillera Real an. Die mächtige Gebirgskette erhebt sich direkt hinter Tuni. Den Kontakt zu Andres haben wir von einem Franzosen aus unserer Uyuni Truppe bekommen, der uns von der Lage Tunis und den Alpacas erzählt hat – Grund genug, um uns direkt für drei Nächte bei Andres einzuquatieren. Unser Fahrer Roger stellt sich schließlich als der Sohn von Andres heraus. Es ist also ein echter Familienbetrieb.

Tuni liegt auf 4.440 Metern und ist somit auch gleichzeitig eine perfekte Möglichkeit für Max, sich für die kommende Huayna Potosi Besteigung auf 6.088 Metern vorzubereiten bzw. weiter zu akklimatisieren. Und Ann ist natürlich auch glücklich, nochmal so richtig in den Anden zu sein. Das Panorama rund um Tuni ist auf jeden Fall spektakulär. Nachdem wir nach der Ankunft zur Begrüßung einen heißen Mate getrunken haben, starten wir direkt auf einen kleinen Spaziergang. Aufgrund der Höhe fühlt sich der Spaziergang, dann jedoch eher wie eine Wanderung an. Als wir knapp 150 Höhenmeter später oberhalb der Laguna Tuni stehen, setzen wir uns erstmal hin und genießen den Ausblick über die Laguna, den Gletscher Condoriri und das Bergmassiv des Huayna Potosis. Wir steigen noch ein bisschen höher für einen noch besseren Blick und kehren dann zurück in die warme Hospedaje. Trotz Sonne ist es hier oben ziemlich kalt. Heute Nacht werden wir froh über die vier Bettdecken sein. Außer uns sind noch 4 Franzosen und eine Italienerin im Laufe des Tages angereist. Gemeinsam entscheiden wir, dass wir am nächsten Tag eine Wanderung auf den nahegelegenen Cerro Negro auf 4.880 Metern unternehmen wollen. Hierzu brauchen wir keinen Guide, aber Andres schlägt uns vor, für alle Fälle ein Funkgerät mitzunehmen. Nachdem wir das leckere Essen von Andres Schwiegertochter Lisette, die für uns kocht, verschlungen haben, gehen wir alle früh ins Bett. Da es nur von 19:30 bis 21 Uhr Elektrizität und somit Licht gibt, ist der Lebensrhythmus hier ein anderer.

Laguna Tuni

Pünktlich um 8 Uhr gibt es am nächsten Morgen Frühstück. Lisette hat Pfannkuchen gebacken und so brechen wir gestärkt auf die Wanderung zum Cerro Negro auf. Im morgendlichen Gewusel vergessen wir natürlich, das Funkgerät mitzunehmen. Das fällt uns erst auf halber Strecke auf, aber das Wetter ist super und der Weg relativ selbsterklärend. Was soll also schon schief gehen? Wir unterhalten uns angeregt und wandern dabei immer bergauf, den Gipfel Cerro Negro, hinter zahllosen grasbewachsenen Hügelketten, stets im Blick. Die Luft wird immer dünner und die Schritte schwerer, je höher wir kommen. Obwohl wir eigentlich gut akklimatisiert sind, machen sich bei Ann nach über einer Stunde Aufstieg Kopfschmerzen und ein leichter Schwindel bemerkbar. Sie entscheidet, auf einem Plateau mit besonders schöner Aussicht, über den Gletscher Condoriri und mehrere Lagunen, zu bleiben und hier auf die anderen zu warten. Im Gegensatz zu den anderen hat Ann nicht das Ziel, sich für die Besteigung des Huayna Potosi vorzubereiten und lässt es lieber tranquilo angehen. Die anderen wandern also weiter und Ann kann ihren Weg zum Gipfel vom Plateau aus verfolgen. Die fünf Punkte werden immer kleiner und Ann genießt den Ausblick ins Tal und die unglaubliche Ruhe, so weit oben, weit entfernt von jeglichen Geräuschen. Als dann noch in der Ferne ein Stück vom Gletscher abbricht, könnte es nicht pittoresker werden.

Dann bemerkt Ann allerdings erste Wolken, die über dem Gletscher auf der gegenüberliegenden Seite des Tals aufziehen. Die Wolken werden immer dunkler und auch über der anderen Bergseite türmen sich nun schwarze Wolken auf. Das Wetter ändert sich hier wahnsinnig schnell und schon fallen über dem Tal die ersten Tropfen. Ann hofft, dass die anderen zurück sind, bevor es so richtig los geht. Aber keine Chance, gerade als die anderen den Gipfel erreichen, fängt es an zu Donnern und keine Minute später bekommt Ann die ersten Regentropfen und dann Hagel ab. Das Gewitter ist jetzt voll da und Ann zieht sich vom Plateau zurück, zwischen zwei Hügel, wo sie sich auf den Boden hockt. Etwas anderes als hier zu zu warten ist keine Option, da sich Max und der Rest der Gruppe garantiert Sorgen machen würden, wenn Ann schon alleine hinabsteigen würde. Max macht sich auch so tatsächlich Sorgen, wie es Ann so alleine bei dem Gewitter zu Mute ist und beeilt sich deshalb zurück zum Plateau zu kommen. Die anderen sind deutlich langsamer und so machen wir uns zu zweit schonmal an den Abstieg, als Max zurück am Plateau ist. Ann ist tatsächlich auch froh, nicht mehr alleine zu sein, das ist bei einem Gewitter mitten in den Bergen zwar auch keine wirkliche Hilfe, aber zu zweit fühlt sich das ganze direkt besser an. Wir nehmen den kürzesten Weg querfeldein und da es in diesem Teil keine Steilhänge gibt, klappt das auch wie geplant. Pitschnass und triefend kommen wir schließlich wieder in der Unterkunft an, wo wir erstmal alles zum trocknen aufhängen. Roger fährt los, um die anderen oben an der Lagune abzuholen und nach einer Weile kommen die anderen Vier auch wohlbehalten und ebenso nass zurück. Zum Glück gibt es heißen Mate! Am späten Nachmittag gehen wir dann nochmal eine kleine Runde durch Tuni und werden mit einem wolkenfreien und glasklaren Blick auf den mächtigen Huayna Potosi belohnt.

Huayna Potosi, 6088m

Für den nächsten Tag steht der Pico del Austria mit 5.350 Metern zur weiteren Huayna Potosi Vorbereitung auf dem Programm. Ann bleibt mit drei der Franzosen in der Unterkunft. Sie verbringen den Morgen zunächst an der Laguna Tuni und als es anfängt zu schütten mit Lisette im Wohnzimmer. Lisette ist mit weniger Leuten plötzlich ganz gesprächig und erzählt viel über die alten Traditionen, die sie immer noch beibehält und ihr Leben auf dem Land. Besonders beeindruckend ist, dass sie von ihrer Großmutter alles über natürliche Geburten und Naturmedizin lernt, da die Menschen hier draußen immer noch nicht auf Ärzte vertrauen bzw. sich die teuren Krankenhäuser in La Paz nicht leisten können. Wir helfen Lisette beim Kochen und lernen, wie man die traditionelle Sopa de Maní (Erdnusssuppe) zubereitet. Nach dem Essen teilen die drei Franzosen noch ihre aus Frankreich mitgebrachte Schokolade mit Mandeln – es ist also wirklich der perfekte Mittag für Max mit seiner Allergie, um nicht da zu sein. Die Pico Austria Gruppe hat Sandwiches dabei und isst unterwegs. Nach dem Mittagessen wird der Regen stärker und verwandelt sich in Hagel. Es hagelt immer mehr und schließlich so heftig, dass die Hagelkörner durch Lücken im Dach auf den Esstisch prasseln. Die Pico Austria Gruppe hat mehr Glück mit dem Wetter und bleibt vom Hagel verschont, dafür schneit es fast die ganze Zeit. Die Wanderung zum 5.350m hohen Gipfel ist für Max die Generalprobe vor Huayna Potosi und sie verläuft sehr gut. Der Weg führt beständig bergauf und trotz der Steigung von 800 Höhenmetern in der großen Höhe ist die Wanderung für Max keine Herausforderung. Die Akklimatisierung zeigt ihre Wirkung und so genießt Max das wandern und die Aussicht über eine türkis schimmernde Lagune kurz vor dem Gipfel. Aufgrund des Schneegestöbers ist der Blick vom Gipfel selbst dann leider etwas vernebelt.

Aussicht bei der Wanderung auf den Pico Austria

Am späten Nachmittag, nachdem alle zurück sind, sitzen wir gemütlich im Wohnzimmer beisammen, quatschen und warten auf das Abendessen. Gerade als die ersten Mägen anfangen zu Knurren, kommt Rolando, Schwiegersohn von Andres und bittet uns der Familie dabei zu helfen, die Alpacas von der Weide zu treiben. Aufgrund des Regens ist es für die Alpacas auf den oberen Weiden zu nass geworden und die Familie entscheidet deshalb, die Herde für die Nacht ins Dorf zu treiben. Wir ziehen uns alle schnell Jacken und Schuhe an und laufen los, um zu helfen. Die Alpacas zu treiben macht Spaß und besonders die Babyalpacas sind unglaublich süß. Das Treiben der Herde ist typisch bolivianisch – etwas unorganisiert – da Andres und Roger erst beim Ankommen feststellen, dass der ursprünglich angedachte Platz im Dorf ebenfalls unter Wasser steht. So treiben wir die Herde dann nach kurzem hin und her wieder in die andere Richtung, auf eine Wiese am Dorfrand. Ann kann sich kaum trennen und bleibt noch mit Roger, Lisette und ihrem zweijährigen Sohn draußen stehen. Roger fängt geschickt ein dreiwöchiges Babyalpaca ein und hält es zum streicheln. So etwas weiches hat Ann noch nie gestreichelt! Der kleine Jeremy zieht dem Babyalpaca am Ohr und gibt ihm schließlich ein Küsschen. Für ihn sind Alpacas so normal wie für deutsche Kinder Hunde oder Katzen.

Alpacas auf den Weiden neben Tuni

Anschließend gibt es für die meisten unserer Runde das letzte Abendessen bei Andres. Danach bedankt er sich bei allen und erzählt von der schweren Zeit ohne Tourismus während Corona. Vor der Pandemie haben noch mehrere Familien in Tuni gelebt, die im Tourismus gearbeitet haben (als Köche, Bergführer oder Guides) und die, als die Pandemie begann, in die Stadt gehen mussten, da die Alpacas alleine nicht zum Leben reichen. Andres hofft, dass der Tourismus in Zukunft wieder zunimmt und die Familien zurückkehren können. Wir haben in Bolivien schon häufiger festgestellt, dass der Tourismus hier, im Gegensatz zu den anderen Ländern in Südamerika, scheinbar immer noch eher zurückhaltend zurückkommt. Zum Abschied geben wir alle unsere Nationalhymnen zum besten. Das haben sich die Bolivianer gewünscht und da sie ihre eigene sehr leidenschaftlich vortragen, können wir den Wunsch nicht abschlagen. Aber zugegebenermaßen schwächeln wir etwas, aufgrund von Textunsicherheiten. Beim nächsten Mal schauen wir uns den Text vorher nochmal an.

Am nächsten Morgen fahren wir zurück nach El Alto. Von hier fahren wir mit dem Teleférico hinunter ins Zentrum von La Paz. Wegen des Verkehrs geht das deutlich schneller als mit dem Auto. In unserem Hotel angekommen, gönnen wir uns erstmal eine heiße Dusche und bringen Sachen zur Wäscherei. Am nächsten Morgen startet Max die Tour zur Besteigung des Huayna Potosi. Ann bleibt die zwei Nächte in dem Hotel in La Paz und kann sogar das Doppelzimmer behalten. Während Max unterwegs ist, bummelt Ann durch die Altstadt in La Paz. Ihre Mission ist der Kauf von einigen Souvenirs. Da sie alle Zeit hat, lässt sie sich in viele Gespräche mit den Verkäufern verwickeln und führt intensive Verhandlungen. Die Marktrecherche zeigt, dass die Produkte, die wirklich aus reiner Alpakawolle gefertigt sind, ungefähr das 10fache der anderen Produkte kosten. Wenn etwas sehr günstig ist, kann man also davon ausgehen, dass es kein reines Alpakaprodukt ist. Die zum Verkauf angebotenen Souvenirs – oder auch Andenmerch, wie Ann die Sachen nennt – sind in den Anden Perus, Boliviens und Argentiniens tatsächlich zum Großteil identisch. Also beispielsweise nicht nur die gleiche Art von Pullovern, Mützen oder Decken, sondern 1:1 die gleichen Muster und Farben. Alles natürlich handgefertigt, die Frage ist nur wo. Nach dem Shopping gönnt Ann sich außerdem ein Mittagessen in einem schicken Café. Ansonsten widmet sie sich dem schneiden von weiteren Videos und sie trifft sich zum Abendessen mit Nacho und Marit, die gerade auch wieder in La Paz sind. Am Mittag des dritten Tages kommt Max dann bereits, früher als erwartet, zurück und erzählt ausführlich von seinen Erlebnissen.

Nach dem Frühstück mit Ann im Hotel im fünften Stock mit grandiosem Ausblick ging ich zum Tourbüro. Hier stellte ich fest, dass sich doch noch zwei weitere Teilnehmer für die Huayna Potosi Besteigung gefunden haben. Ich hätte zwar auch die 1500 Bolivianos für eine private Tour bezahlt, aber nur 1000 waren natürlich ein besseres Angebot. Außerdem freute ich mich natürlich über die Gesellschaft. Als der Guide nach der Restbezahlung fragte, sagt er dennoch, ich könne trotzdem die private Tour machen, dann ginge ich auf Nummer sicher. Wenn sonst einer der beiden anderen schlapp machte, müssten nämlich alle umkehren. Das Risiko ging ich aber ein und entschied mich gegen die Privattour. Im Anschluss wurde nochmal alles Equipment gecheckt und los ging’s im Minivan. Unterwegs wurde noch ein paar Mal zum Kauf von Verpflegung gehalten und zwei Stunden später kamen wir an der Unterkunft für die erste Nacht auf 4800m an. Dort traf ich, kaum aus dem Bus gestiegen, erstmal Marine und Sifax sowie die drei französischen Geschwister wieder, die mit uns bei Andrés in Tuni waren. Marine und Sifax waren gerade erfolgreich vom Gipfel gekommen, die drei Geschwister wollten gerade aufbrechen zum zweiten und höheren Basecamp.

Nach dem Ausladen reservierten ich und meine zwei Mitstreiter uns drei Matratzen auf dem Boden des Schlafsaals für die Nacht. Der Schlafsaal war einfach ein großer Raum mit kreisrund angeordneten Matratzen auf dem Boden. Komfort war aber auch nicht zu erwarten, insofern war das ok. Danach stellte Eloy uns den Guide für die ersten zwei Tage, Johnny, vor und verschwandt selbst in Richtung zweites Basecamp auf 5300m. Johnny teilte uns mit, wie wir unsere Rucksäcke für die heutige Exkursion zu den Ausläufern des Gletschers zu packen haben. Nachdem wir mit Packen fertig waren, ging’s ans anrödeln. Klettergurt, Bergstiefel und Regenklamotten legten wir sofort an und los ging’s.

Durch zunächst noch leichten Schneeregen staksten wir mit den Skischuhähnlichen Bergstiefeln hinter Johnny her in Richtung Gletscher. Nach knapp 40 Minuten sahen wir das Eisfeld vor uns. Leider aber nicht viel mehr, war es doch sehr nebelig. Immerhin hatte es aufgehört zu schneeregnen und auch windig war es nicht. Auf dem Eis zogen wir die Steigeisen an und anschließend fing Johnny den Unterricht mit ein paar Lektionen zu unterschiedlichen Lauftechniken auf dem Gletscher an. Anschließend kraxelten wir die Eismasse hinauf bis zu einer nahezu senkrechten Wand. Ohne zu zögern kletterte Johnny die 10m sicherungslos hoch und befestigte oben Einschrauben. An diesen befestigte er ein Seil und seilte sich geschickt wieder zu uns ab. Nun waren wir der Reihe nach dran, mit zwei Eispickeln bewaffnet die Wand zu erklimmen. Das war ziemlich cool, und für mich ein Hauptgrund die dreitägige Tour zu machen und nicht die reine Besteigung in zwei Tagen. Immerhin wollte ich schon immer mal Eisklettern. Danach liefen wir, so gut es mit den Schuhen ging, wieder zurück zum Nachtlager. Auf dem Weg drehten wir uns mehrmals um und bestaunten den Gletscher, der sich nach und nach aus den Wolken schälte. Ein beeindruckender Anblick!

Auf zum Eiskletterm

Abends kochte Multitalent Johnny uns Nudeln mit einer Art Gulasch und dann legten wir uns um Acht Uhr schlafen. Niemand schlief in dieser Nacht wirklich gut, aber dennoch blieben wir bis zehn vor acht am Morgen liegen. Immerhin mussten wir Energie für die Besteigung am nächsten Tag tanken. So waren wir auch einigermaßen ausgeruht. Nach einem grandiosen Frühstück packten wir unsere großen Backpacks. Sie mussten ein ganz schön großes Gewicht aufnehmen: Boots, Steigeisen, Eispickel, Helm, Schlafsack und Wechselklamotten nahmen aber nicht nur viel Platz ein, das Gepäck wog auch annähernd 16 kg. Danach hieß es warten. Um Viertel vor elf gab es dann endlich Mittagessen, auf das aber keiner wirklich Hunger hatte. Immerhin aber hieß das, dass es bald los ginge. Wir aßen alle brav auf, würden wir die Energie doch später noch brauchen. Eine halbe Stunde nachdem alle Teller leer waren, zogen wir schon mit Sack und Pack los in den Schneeregen. Die ersten Meter waren echt ungemütlich, danach wurde der Niederschlag mehr zu Schnee. Das war zwar immer noch nicht toll, aber besser. Wir legten ca. Zwei Kilometer Distanz und 430 Höhenmeter in nur anderthalb statt der veranschlagten zweieinhalb Stunden zurück und waren ein bisschen stolz auf uns. Der andauernde Niederschlag hat aber natürlich auch nicht zum Trödeln eingeladen. In der Hütte auf etwa 5230m angekommen, hängten wir unsere Sachen zum Trocknen auf uns zogen uns trockene Sachen sowie die dicken Daunenjacken an, denn es war kühl. Der heiße Tee half auch, so machten wir es uns einigermaßen auf dem Bett gemütlich und ruhten uns aus. Irgendwann knallte die Sonne auf die Hütte und es wurde richtig warm, also ging ich nach draußen. Endlich sah ich ein wenig von der eigentlich grandiosen Aussicht. Einige Berge und auch ein massives Schneefeld oberhalb von uns schälten sich aus den Wolken. Dazu saßen direkt vor mir zwei große Greifvögel mit roten Kopf und schwarzweißem Gefieder auf einem Felsen und waren kaum scheu.

Auf dem Gipfel des Huayna Potosí

Um 17 Uhr gab es dann eine Suppe und Nudeln zum Abendessen anschließend packten wir unsere Sachen für den Aufstieg bzw. legten die Kleidung bereit und verkrochen uns in die warmen Schlafsäcke. Zwar versuchten wir alle im Anschluss bis zum Beginn des Aufstiegs um Mitternacht zu schlafen, blieben jedoch erfolglos. Irgendwie dösten wir alle vor uns hin und waren auch tatsächlich nicht zu müde. Im Dunkeln mit Handytaschenlampe und Steinleuchte rödelten wir unsere Sachen an: Bergstiefel, Klettergurt, Helm, Stirnlampe, zwei Paar Socken, drei Hosen und drei Lagen obenrum reichten fürs Erste. Danach marschierten wir los. Zunächst 10 Minuten über lose Steine, eine weitere Herausforderung mit den Schuhen. Danach zogen wir die Steigeisen an, packten die Eispickel aus und weiter stampften wir, von nun an über den Gletscher. Bis auf 5800m ging der Aufsteug einigermaßen gut und schnell voran. Wir krochen zwar drei Stunden lang gefühlt nur langsam dahin, aber es war nicht zu anstrengend. In der Ferne sahen wir El Alto leuchten und uns wehte ein eisiger Wind mit Schnee um die Ohren. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir alle eine dünne Eisschicht außen auf unseren Klamotten. Wir waren sogar ein wenig zu schnell. Damit wir trotzdem erst zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel waren, führte uns Johnny durch tiefen Schnee eintlang einer anspruchsvolleren und weiteren Spezialroute. Hier wurde es echt etwas abenteuerlicher, aber mir hätte es tierischen Spaß gemacht, wäre nicht alles in dieser Höhe so furchtbar anstrengend. Für die letzten 200 Höhenmeter brauchten wir zwei Stunden und kamen fix und fertig um Sechs Uhr am Gipfel an. Pünktlich, um in der Ferne, die Morgendämmerung bewundern zu können. Ich war hin und weg und war und bin mir sicher, das ist eines der besten Erlebnisse meines Lebens! Wir waren die Ersten oben und blieben völlig ungestört ca. 15 Minuten. Danach mussten wir alles wieder runter laufen. Am oberen Basecamp gab es eine warme Suppe, danach packten wir den schweren Kram wieder in die großen Rucksäcke und stiegen weiter ab zum unteren Basecamp. Dort tranken wir zur Feier ein Bier. Wir waren alle fertig, aber überglücklich!

Müde aber glücklich auf dem Gipfel

Und unser nächstes Video ist nun auch online:

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s