Amazonasabenteuer Teil 1

Für die Strecke zwischen Chachapoyas und unserem ersten Stopp im Amazonasbecken können wir zum Glück einen Bus am Tag nehmen. Bus heißt in dem Fall Van in Bulligröße, in dem wir dichtgedrängt mit 15 Menschen sitzen, während das Gepäck auf dem Dach gestapelt und mit einer plastikfolie und einem Netzt gesichert ist. Entsprechend müde kommen wir im dunklen nach acht Stunden Fahrt an und entschließen uns, trotz des feuchtwarmen Klimas, das uns hier empfängt, den Kilometer zum Hostel zu laufen. Dort laden wir unser Gepäck ab und gehen nur noch was zu Abend essen. Tarapoto gefällt uns sehr gut. Die vielen Mopeds, wenigen Autos und vor allem die Tuktuk-ähnlichen Mototaxis erinnern uns zusammen mit dem Klima an Asien. Auch das Essen ist hier ganz anders als im Rest Perus (wenn auch nicht asiatisch). Die verschiedenen Arten Bananen dienen, auf alle erdenklichen Weißen zubereitet, als Beilage und es gibt viel Fisch aus dem Amazonas und seinen Zuflüssen.

Am nächsten Morgen haben wir eine ordentliche Todo-Liste vor uns, die es abzuarbeiten gilt. Die Aufgaben reichen von Bilder sichern über Wäsche waschen bis hin zu Hängematten kaufen. Diese brauchen wir, um die nächsten Tage an Board eines Frachtschiffes schlafen zu können, das uns tief in den Regenwald bis nach Iquitos bringen wird. Doch bevor wir unsere Liste fertig abgearbeitet haben, werden wir vom heftigsten Tropenregen überrascht, den man sich vorstellen kann. Schnell flüchten wir in ein Restaurant, durch dessen offene Tür wir beobachten können, wie sich reißende Flüsse auf den Straßen bilden. Die Mototaxis kommen auch nicht mehr voran, der Verkehrslärm wird komplett vom auf Wellblechdächer trommelnden Regen abgelöst. Den hiesigen Wasserfallbesuch canceln wir, Abkühlung hatten wir genug.

Am nächsten Morgen geht’s früh nach Yurimaguas. Dazu nehmen wir ein Auto-Colectivo. Das Konzept ist dasselbe wie beim normalen Colectivo, allerdings füllt sich ein PKW schneller und wir können es nicht erwarten, zum Hafen zu kommen. Die Fahrt ist kurzweilig, der Fahrer Miguel erzählt uns viel über die Gegend und den Regenwald. Am „Bahnhof“ angekommen nehmen wir für die letzten Meter zum Hafen ein Mototaxi und werden dort direkt von drei hektischen Typen in Empfang genommen, die unsere Sachen nehmen wollen. Bei unseren beiden Wasserkanistern sind sie erfolgreich uns schleppen diese direkt zum nächsten Schiff. Wir versuchen mit unseren übrigen Sachen über den schlammigen Untergrund hinterherzukommen ohne Auszurutschen und gleichzeitig uns noch einen Überblick über den Hafen zu verschaffen. Hafen ist eigentlich das falsche Wort, unbefestigtes Ufer mit vielen Frachtschiffen, die Landungsschiffen der Marine ähneln, trifft es eher. Davor zig LKWs, die Waren für Iquitos abliefern, da die Stadt nur per Schiff und Flugzeug erreichbar ist. Auf dem ersten Boot angekommen, heißt es, dass es heute Nachmittags abführe und am nächsten Tag bereits da sei. Uns geht es jedoch vorrangig nicht ums Ankommen, sondern um die Zeit auf dem Fluss, also fragen wir nach einem langsameren Schiff. Gesagt getan, die drei Typen machen sich mit unserem Wasser wieder auf den Weg, ohne das wir eine Chance haben, es ihnen wieder abzunehmen. Weiter eher fremd- als selbstbestimmt hetzen wir also hinter unseren unerwünschten Wasserträgern zum nächsten Schiff. Der Stresslevel steigt, die „tranquilo“-Rufe, der Typen, die für diesen Stress verantwortlich sind, helfen da nicht. Dort angekommen merken wir nach kurzem Gespräch mit dem Captain, dass derzeit alle Boote wegen des aktuell hohen Wasserstandes schnell sind, er aber morgen erst ablege.

Wir laden daraufhin hier unsere Sachen ab, ignorieren die Typen um uns rum und beratschlagen uns. Sie verlieren dann auch das Interesse und schwirren davon. Endlich können wir uns unbedrängt umsehen und stellen fest, dass eine Nacht im Hafen nicht erstrebenswert ist. Hinzu kommt, dass auf diesem Schiff Schweine geladen sind, die durchwegs quieken. Also nehmen wir dieses Mal alle unsere Sachen selbst und gegen wieder zum anderen Schiff. Dort hängen wir unsere Hängematten auf und entspannen erstmal, wir haben ja noch 6 Stunden bis zur Abfahrt. Doch die Ruhe halt nicht lange an, einer unserer „Freunde“ von vorhin kommt an und jetzt erklärt sich seine Motivation fürs Wassertragen: Er will uns eine Dechungeltour verkaufen. Wir lassen ihn reden und uns seine Nummer geben, wissen aber eigentlich, dass wir das Angebot nicht annehmen werden. Nachdem er abgezogen ist, beobachten wir in aller Ruhe das Treiben im Hafen und verstehen jetzt auch die große Errungenschaft der Transportcontainer für den weltweiten Handel. Manuelles Beladen von Booten dauert ewig und ist enorm anstrengend für die unzähligen Träger. Außerdem sehen wir unsere ersten Amazonas-Flussdelfine.

Ann in der Hängematte auf der Eduardo IX

Etwas verspätet um 6 Uhr abends legen wir ab und werden gleich zu Beginn Zeugen eines wunderschönen Sonnenuntergangs – der ganze Fluss scheint golden zu leuchten. Um acht werden Seitenwände am Deck aufgespannt und alle legen sich hin zum Schlafen. Nach einer unbequemen Nacht (zum Schlafen sind Hängematten doch nicht so toll) fragt Ann beim Frühstück den Koch, wann wir wohl ankämen. Dieser versteht die Frage nicht; wir kämen doch erst am nächsten Tag an. Wir sind ob dieser neuen Information zwar verwirrt, aber happy. So können wir doch noch einen ganzen Tag den Blick aufs Flussufer genießen. Wir fahren in monotoner Geschwindigkeit also den Rio Huallaga und später den Rio Mañon hinunter, der später mit dem Rio Uyancali den Amazons formt. Unterbrochen wird die Monotonie nur bei Anlegemanövern, wenn wir in den Dörfern einen Teil unserer Fracht und der Fahrgäste loswerden. Empfangen wird das Schiff stets vom ganzen Dorf. Die Menschen warten auf die Vorräte oder ihre Lieben. Manche sind auch einfach nur neugierig. An Board ist die Verpflegung umsonst. Mittag- und Abendessen, die in die selbst mitgebrachten Tupperdosen gefüllt werden, sind auch tatsächlich lecker, während das Frühstück nicht unseres ist. Abends geht’s wieder in die Hängematte, die nach einiger Justage der Aufhängung jetzt wesentlich bequemer ist. Morgens um 2 kommen wir in Iquitos an, dürfen aber noch bis 7 weiterschlafen.

Dort können wir wieder früh ins Hostel einchecken und buchen für den nächsten Tag auch gleich eine 3-tägige Dechungeltour. Anschließend erkunden wir die Stadt. Hier ist es noch heißer und schwüler, außerdem ist die Stadt Recht abgerockt. Dazu kommt eine ganze Menge stinkenden Mülls an einigen Ecken. Wir besuchen den bekannten Belén-Markt, hier soll es einige seltsame Dschungel-Produkte geben, sowie schockierende Blicke auf tote Dschungeltiere. Wir haben den Markt aber als weitaus weniger schockierend wahrgenommen als den Markt in Tomohon, Indonesien (Hier geht’s zum Beitrag). So war es aber immerhin ein wuseliger und interessanter Markt. Später gönnen wir uns die erste Kokosnuss in Peru – lecker!

Am nächsten Morgen brechen wir mit drei anderen Paaren auf zu unserer Dschungellodge. Nach vier Stunden per Bus, Mototaxi und Boot kommen wir in der sehr einfachen, aber wunderschön mitten im Amazonas Regenwald an einem kleinen Flüsschen gelegenen, Unterkunft an. Von hier unternehmen wir die nächsten drei Tage Exkursionen per motorisiertem Kanu, da der Dschungel zur Zeit fast vollständig überflutet ist. Tagsüber sehen wir unzählige Affen, Papageien, Faultiere, Tucane, viele andere Vögel, eine Schlange und Fledermäuse. In unserer Lodge leben außerdem einige Vogelspinnen, die für Menschen aber nicht gefährlich sind und sich um die Mosquitos kümmern. Nachts geht es auf Kaimanjagd (geschossen wird natürlich nur mit der Kamera). Bei einer Nachtwanderung in einem kleinen nicht komplett geflutetem Gebiet sehen wir viele Spinnen, essen Termiten, trinken Wasser aus Lianen und lernen viele Pflanzen kennen. Außerdem können wir den gigantischen Sternenhimmel bewundern. Die Guides sind super, besonders der trotz seiner 70 Jahre quietschfidele Augusto ist eine Marke für sich. Viel mehr schreiben möchten wir an dieser Stelle nicht über die Tour, die Bilder sprechen für sich. Am Besten können diese über Polarsteps eingesehen werden – hier ist nochmal der Link: Polarsteps

Brüllaffe, Parqué nacional de Pacaya Samiria

Nach einer frühmorgendlichen Tour und einem anschließenden leckeren Frühstück geht es am letzten Tag noch zum Piranha Angeln. Wir sind auch tatsächlich erfolgreich und Ann bekommt einen kleinen Piranha an die Angel. Beim Mittagessen vor der Abreise können wir diesen dann auch direkt probieren. Das Fazit: ziemlich viele Gräten, aber ganz lecker. Dann müssen wir uns leider schon wieder vom Regenwald verabschieden und den Rückweg nach Iquitos antreten – komplett zerstochen von unzähligen Mosquitos.

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